Alles hat seine Zeit

Ein Jegliches hat seine Zeit;
und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde:
geboren werden hat seine Zeit, sterben hat seine Zeit;
pflanzen hat seine Zeit, ausreißen, was gepflanzt ist, hat seine Zeit;
töten hat seine Zeit, heilen hat seine Zeit;
abbrechen hat seine Zeit, bauen hat seine Zeit;

weinen hat seine Zeit, lachen hat seine Zeit;
klagen hat seine Zeit, tanzen hat seine Zeit;
Steine wegwerfen hat seine Zeit, Steine sammeln hat seine Zeit;
herzen hat seine Zeit, aufhören zu herzen hat seine Zeit;
suchen hat seine Zeit, verlieren hat seine Zeit;
behalten hat seine Zeit, wegwerfen hat seine Zeit;
zerreißen hat seine Zeit, zunähen hat seine Zeit;
schweigen hat seine Zeit, reden hat seine Zeit;
lieben hat seine Zeit, hassen hat seine Zeit;
Streit hat seine Zeit, Friede hat seine Zeit. (Koh. 3,1-11)

Foto: Heike Margraf

Als Teil der Schöpfung ist unser Leben bestimmt vom Werden und Vergehen, Teil eines Zyklus, wie die Jahres- Tag- und Nachtzeiten.

Geburt, Sterben und Tod - Abschied, Trennung und Neuanfang von Bindungen - wie oft erfahren wir Menschen diese Phasen in Zeiten unserer Biografie.

Trauer ist ein allgemein menschliches Phänomen, das immer dann spürbar wird, wenn wir uns von etwas trennen oder verabschieden müssen. Das kann der Verlust von Beziehungen, Arbeitsplatz, Krankheit oder am unwiederbringlichsten, durch den Tod sein. Die Endgültigkeit des Verlustes ruft bei Hinterbliebenen unmissverständlich die Botschaft der eigenen Endlichkeit in Erinnerung. Hinterbliebene erleben heftige, zum Teil paradoxe Gefühle und Erlebensweisen, die ihr Innerstes erschüttern und zutiefst verunsichern. 

Bedenkt den eigenen Tod den stirbt man nur, doch mit dem Tod der anderen muss man leben...“ (Mascha Kaléko)

Die Trauer ist der vorgesehene Weg, den unsere durch den Verlust verletzte Seele gehen muss, um mit der Zeit in der schrittweisen Anpassung an ein Leben ohne den geliebten Menschen wieder heil und ganz werden zu können.

Wenn wir lernen, Sterben, Tod und Trauer wieder selbstverständlicher in unser Leben zu integrieren, mit all den dazugehörigen Empfindungen denen es gilt Raum und Zeit zum Ausdruck zu verleihen, achtsame und zu-mutende Menschen uns begleiten, die „ungeweinten Tränen“ die krank machen fließen dürfen, werden Menschen heil an Leib und Seele.

Selig sind die Trauernden, denn sie werden getröstet werden“ (Mt 5,4)

Unser Ziel:

Wir möchten etwas von unseren Erfahrungen, auf dem Weg der Begleitung trauernder Menschen, und hier in erster Linie trauernder Eltern und Angehöriger, sowie in der Fortbildung oder Beratung von Menschen, die sich privat, beruflich oder ehrenamtlich mit Endlichkeit und Verlust auseinandersetzen, für andere zugänglich machen.

Wir möchten an einem sensibleren Umgang mit von Sterben, Tod und Trauer betroffenen Erwachsenen mitwirken und Kinder stark machen.

Wir möchten uns dafür einsetzen Sterben, Tod und Trauer aus der privaten Isolation in die Gesellschaft zu bringen. Trauer heilt in Beziehung und Gemeinschaft.