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Wenn eine kleine Seele die Erde nur kurz streift
Wenn eine kleine Seele die Erde nur kurz streift

Wenn eine kleine Seele die Erde nur kurz streift

Es geschieht, dass eine kleine Seele die Erde nur kurz streift", dieser Satz ist auf einer neuen Hinweistafel am Gräberfeld für Sternenkinder auf dem Limburger Hauptfriedhof zu lesen. Er gehört zu den Gedanken einer trauernden Mutter. Umrahmt von Sternen und einem tränenden Auge. Geschaffen hat die Hinweistafel aus Glas der Künstler Reiner Eul aus Hadamar. Sternenkinder sind fehlgeborene oder totgeborene Kinder, für die es keine gesetzliche Bestattungspflicht gibt. In Hessen sind dies Kinder, die vor dem sechsten Schwangerschaftsmonat fehlgeboren werden.  

"Für Eltern gibt es nichts Schlimmeres als den Tod ihres Kindes", erklärt Heike Margraf, Leiterin der Katholischen Familienbildungsstätte Limburg. Auch und gerade am Beginn dieses Lebens. Deshalb setzt sie sich mit einem Arbeitskreis seit fast 15 Jahren für die würdige Bestattung von Sternenkindern ein. Dem Engagement dieses Arbeitskreises und der guten Zusammenarbeit beispielsweise mit der Stadt Limburg sei zu verdanken, so Margraf, dass es bereits seit 2003 dieses Gräberfeld für Sternenkinder gebe. Die Initiative zu dem Arbeitskreis verschiedener Krankenhäuser und der Katholischen Familienbildungsstätte kam vom St. Vincenz-Krankenhaus in Limburg.

Glas so zerbrechlich wie das Leben und Sterne als Orte im Himmel

"Menschliches Leben ist von Anfang an und in jedem Entwicklungsstadium von Gott individuell gewollt und geliebt," erklärt Margraf die einmalige personale Würde. "Deshalb war es uns so wichtig, dass dieses zu früh gestorbene Leben mit diesem Gräberfeld einen würdevollen Ort bekommt. Und Eltern bekommen einen Ort zum Verabschieden und Trauern." Und die neue Glas-Stele als Hinweistafel soll nun erkennbar werden lassen, was dieses Gräberfeld ist. Das Material Glas symbolisiere dabei die Zerbrechlichkeit des Lebens, das tränende Auge die Trauer; die Sterne auf der Stele verweisen auf die Hoffnung und Vorstellung vieler Eltern, dass ihre Kinder wie Sterne einen Platz im Himmel haben. Margraf zitiert Antoine de Saint-Exupéry: "Wenn du bei Nacht den Himmel anschaust, wird es dir sein, als lachten alle Sterne, weil ich auf einem von ihnen wohne, weil ich auf einem von ihnen lache."

Seit 2003 etwa 250 Sternenkinder bestattet

Etwa 250 Sternenkinder sind bis heute auf dem Gräberfeld bestattet. Durch das Engagement des Arbeitskreises und vieler Kooperationspartnern konnte so die bis dato unwürdige Praxis im Umgang mit fehlgeborenem Leben verändert werden. Großer Dank gebühre, so Margraf, unter anderem dem Bestattungsunternehmen Jacob Ehmann, das sich unentgeltlich um Überführung und Einäscherung kümmere, der Lebenshilfe Diez, der Stadt Limburg und seiner Friedhofsverwaltung, dem Planungsbüro Sabine Kraus und Auszubildenden der Friedrich-Dessauer-Schule, die sich mit einer Patenschaft um die Pflasterfläche kümmern und Steinplatten mit den eingravierten Beerdigungsdaten verlegen. Besonderer Dank ging auch an die Naspa Stiftung, die sich finanziell an der neuen Hinweistafel mit 1000 Euro beteiligt hat. Für die Stadt Limburg war der 1. Stadtrat Michael Stanke zur Vorstellung der neuen Hinweistafel gekommen. Es sei von Anfang an selbstverständlich gewesen, dass die Stadt dieses Projekt unterstütze, sagt Stanke.

Vierteljährlich organisiert der Arbeitskreis eine ökumenische Trauerfeier.

Darüber hinaus gibt es jedes Jahr am zweiten Sonntag im Dezember eine Trauerfeier zum Weltgedenktag für verstorbene Kinder. Dieses Jahr ist sie am 10. Dezember um 18 Uhr in der Kapelle des Musischen Internats in Hadamar. (fl)